Am 30. September 2026 kamen rund 100 Expert*innen an der FernUniversität Hagen zusammen, um über die Zukunft der unabhängigen Geflüchtetenberatung in NRW zu diskutieren. Als Mitorganisator zieht, die bei VAKS e.V. angesiedelte Fachstelle für Schulung und Qualifizierung (Regierungsbezirk Arnsberg) gemeinsam mit den weiteren NRW-Fachstellen ein starkes Fazit: Unabhängige Beratung ist kein Luxusgut, sondern Fundament für rechtsstaatliche Verfahren und gelungene Integration
Beitragstext / Gemeinsam für verlässliche Orientierung und Rechtsstaatlichkeit
Unter dem Titel „Beratung unter Druck – Zur Relevanz des Landesförderprogramms Regionale Beratung angesichts aktueller politischer und rechtlicher Entwicklungen“ kamen am 30. September 2026 rund 100 Fachkräfte, Rechts- und Kommunalexpertinnen sowie Vertreterinnen der Freien Wohlfahrtspflege an der FernUniversität Hagen zusammen.
Die Tagung wurde gemeinsam von den landesgeförderten Fachstellen für Schulung und Qualifizierung aus den fünf NRW-Regierungsbezirken (Arnsberg, Detmold, Düsseldorf, Köln und Münster) organisiert.Verlässlicher Rahmen durch das Landesförderprogramm Staatssekretär Lorenz Bahr aus dem Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration (MKJFGFI) betonte in seinem Grußwort die zentrale Bedeutung des Landesförderprogramms für die NRW-Integrationsarchitektur. Die Regionale Beratung bietet geflüchteten Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus rechtskonforme Orientierung, stärkt die eigenverantwortliche Teilhabe und entlastet gleichzeitig die kommunalen Regelstrukturen. Das Ministerium bekräftigte die Absicht, die verlässliche Partnerschaft mit den freien Trägern fortzuführen.
Unabhängige Beratung unter wachsendem Druck
Aus Sicht der Fachstellen und Träger steht die Beratungspraxis vor Ort jedoch unter starkem Druck durch beschleunigte Rechtsänderungen, steigende Bürokratie und unzureichende Finanzierung. Nach einem rechtlichen Impulsvortrag von Rechtsanwalt Jens Dieckmann warnte Claus-Ulrich Prölß (Geschäftsführer Kölner Flüchtlingsrat e. V.) auf dem Podium vor pauschalen Verschärfungen im Asyl- und Aufenthaltsrecht, die wertvolle Integrationserfolge gefährden.
Die Fachstellen forderten eindringlich:
Eine langfristig gesicherte und dynamisierte Förderung der Regionalen Beratung.
Den Erhalt praxistauglicher Bleiberechts- und Spurwechseloptionen.
Die Anerkennung, dass unabhängige Beratung eine essenzielle Voraussetzung für rechtsstaatliche Verfahren darstellt.
Neben dem praxisnahen Austausch in Podium und Workshops und der Podiumsdiskussion zum Spannungsfeld „Zwischen Abschiebung und Bleiberecht“ (u. a. mit Vertreterinnen des MKJFGFI, der Ausländerbehörde Düsseldorf sowie Rechtsexpertinnen) organisierten die regionalen Fachstellen vier Workshops zu zentralen Zukunftsthemen.
GEAS und Familienasyl: Auswirkungen der EU-Asylreform und verfahrensrechtliche Anforderungen (Kirsten Eichler, Projekt Q / GGUA e. V.).
Bleiberecht und Spurwechsel: Wege und Handlungsoptionen bei Widerrufsverfahren (Claudius Voigt & Verena Wörmann, Projekt Q / GGUA e. V.).
Arbeitsmarkt und Qualifizierung: Schnittstellen zwischen Beratung, Integrationskursen und Wirtschaft (Vera Moser & Jasna Reso-Flanze, IHK; Kai von Lengerke, NUiF; Linh Lan Nguyen, VHS Siegen).
Antidiskriminierung: Strategien zum Schutz vor Rassismus im Beratungsalltag (Selma Güngör, InterKompetenz Berlin).
Fazit und Ausblick Ministerium und Fachstellen zogen ein durchweg positives Fazit des Fachtags. Um Geflüchteten zu ihren Rechten zu verhelfen und eine zukunftsorientierte Teilhabe zu gestalten, braucht es auch künftig einen engen Schulterschluss zwischen Politik, Zivilgesellschaft, Ausländerbehörden und Wirtschaft sowie eine nachhaltige Absicherung der unabhängigen Beratungsinfrastruktur.
Die Veranstaltung wurde vom Ministerium Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.