Junge Frau mit geistiger Behinderung kurz nach ihrem 18. Geburtstag nach Serbien abgeschoben – Verein kritisiert unmenschliches Vorgehen

01.04.2025

[Freudenberg] Am 27. März 2025 wurde Ardita*, eine Klientin unserer Fachstelle für unbegleitete minderjährige Geflüchtete, unmittelbar nach Vollendung ihres 18. Lebensjahres in ihr Heimatland Serbien abgeschoben. Der Verein für soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen e.V. verurteilt dieses Vorgehen der Ausländerbehörde des Kreises Siegen-Wittgenstein aufs Schärfste.

Festnahme in der Ausländerbehörde

Ohne schriftliche Ankündigung oder Vorbereitungszeit nahm die Polizei Ardita während eines Termins zur Verlängerung ihrer Aufenthaltspapiere in der Ausländerbehörde fest und überführte sie noch am selben Tag nach Serbien. Ihre Betreuer aus der Jugendeinrichtung in Freudenberg reisten kurzfristig nach, um wenigstens die Unterbringung und weitere Betreuung vor Ort zu klären.

Besondere Schutzbedürftigkeit ignoriert

Erst in diesem Jahr diagnostizierten Ärzte bei Ardita eine geistige Behinderung – sie gehört damit zu den vulnerabelsten Gruppen unserer Gesellschaft. Die Fachstelle und eine Rechtsanwältin arbeiteten an einem Bleiberechtsantrag, doch das entscheidende ärztliche Gutachten lag zum Zeitpunkt der Abschiebung noch nicht vor. Eine notwendige Abstimmung zwischen Jugendamt und Ausländerbehörde unterblieb offenbar.

Gefährdete Zukunft in Serbien

Aufgrund ihrer familiären Situation droht Ardita in Serbien eine ungewisse Zukunft. Aus den alten Strukturen ist sie wegen Gewalt in der Familie geflohen. In genau diese Strukturen wurde sie nun wieder hineingebracht. Gewalt, Obdachlosigkeit und Verwahrlosung sind ihre wahrscheinlichen Perspektiven. Weder staatliche Unterstützung noch familiäre Hilfe sind vorhanden. Die abrupte Abschiebung einer psychisch beeinträchtigten Jugendlichen ohne Sicherheitsnetz ist nicht nur rechtlich fragwürdig, sondern ein moralischer Skandal.

Forderung nach Konsequenzen

Dieser Fall verdeutlicht erneut: Diese Abschiebepraxis trifft die Schwächsten der schutzbedürftigen, jungen und erwachsenen Menschen besonders hart. Wir fordern eine lückenlose Aufklärung des Vorgehens und eine sofortige Rückkehroption für Ardita.

Diesen neuen Abschiebungsfall werden wir dem Projekt “Abschiebungsreporting NRW” berichten. Es macht inhumane Aspekte der Abschiebungspraxis in NRW an Einzelfällen
öffentlich, informiert parteiisch in ausführlichen Berichten und dokumentiert besondere Härten bei Abschiebungen.

*Name geändert

Beitragsbild: Pixabay

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