vakslogoklein
WP 28-06-05

zurück
WP 28.06.05
Schuhe putzen statt essen und spielen

Attendorn. (hh)
Sie müssen Schuhe putzen, Steine schleppen, Tüten kleben oder in Bergwerken schuften: Kinder in der Dritten Welt sind im wahrsten Sinne des Wortes arm dran. Sie müssen hart arbeiten, um sich selbst und ihren Familien wenigstens das Nötigste zu sichern.

Sie dürfen zur Schule gehen, sich satt essen, schöne Kleidung anziehen und nach Herzenslust spielen: Kinder in Deutschland, jedenfalls die meisten von ihnen, haben es gut. Die existenziellen Probleme ihrer Altersgenossen in Südamerika oder Afrika kennen sie nur aus Büchern.

Die Engelbert-Grundschule vollzieht derzeit einen Sichtwechsel. Sie hat den Verein für soziale Arbeit und Kultur aus Siegen eingeladen, der den Kindern an vier Tagen zeigt, was Kinderarbeit bedeuten kann und wie die Welt in manchen Teilen aussieht. Die Grundschüler schlüpfen in Rollen, werden zu dem Schuhputzjungen Juan in Lima oder zu dem zwölfjährigen Israr, der Papiertüten in Kalkutta faltet. "Wir sprechen natürlich auch im normalen Unterricht über solche Probleme, aber verinnerlichen können die Kinder das nicht", so Helmut Rokitte, kommissarischer Schulleiter. "Bei diesem Projekt jedoch werden sie konfrontiert mit einer Welt, in der Kinderarbeit normal ist."

Tatsächlich scheinen sich die Grundschüler die Frage zu stellen, welchen Beitrag sie für eine Welt leisten können, in der alle Menschen eine Zukunft haben. "Den ganzen Tag Tüten zu kleben, das ist ja schlimm", stöhnte Nico (7).

"Mit unserem Projekt können wir Kinderarbeit nicht beseitigen", so Marja Golombeck vom Verein für soziale Arbeit. "Aber Kinder sind die einzige Möglichkeit, etwas zu verändern. Wenn sie groß sind, wird vielleicht etwas ausgelöst in ihnen, dass ihnen sagt. Ich muss etwas tun."

28.06.2005
zurück